Die Geschichte der Zukunft

Michael Kleina:

Hallo Herr Händeler,

es war wirklich ein hervorragender Vortrag hier in Bocholt beim Event Gut.Kontakten. Da wir uns im Vorfeld ja schon ausgetauscht haben, war die Vorfreunde bei mir natürlich enorm.
Hiermit möchte ich mich natürlich auch bei der Sparkasse und dort im Besonderen bei der Frau Möllmann bedanken für die klasse Organisation und Ausrichtung der kpl. Veranstaltung.
Ich versuche mal Ihre Grundthesen runter zu brechen mit folgendem Zitat:
„In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist!“

Erik Händeler:

Das haben schon die alten Griechen gesagt. Das neue daran ist, dass der Wohlstand bisher davon abhing, wie wir materielle Arbeit effizienter hinbekamen: Schrauben, Fräßen, Montieren. Das haben uns jetzt die Maschinen weitgehend abgenommen. Deswegen geht uns aber nicht die Arbeit aus, sondern Arbeit wird immateriell: Planen, organisieren, verstehen, was der Kunde meint; ein neues Problem lösen, analysieren und entscheiden. Um Wissensarbeit effizienter zu machen, kommt es nun mehr auf psycho-soziale, also seelische Gesundheit an. Ob ich mit anderen gut zusammenarbeite, wie ich Kritik vertrage und kritisiere, wenn man um die bessere Lösung ringt, wie jemand egoistische oder übergeordnete Ziele verfolgt, das schlägt sich in den Kosten nieder und damit am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Michael Kleina:

Somit ist es innerhalb von Kondratieff’s Theorien auf die heutige Zeit wie folgt zu verstehen:
„Bestimme nicht die Information sondern verteile diese sinnvoll?“

Erik Händeler:

Der alte Ökonom Kondratieff sagt, dass an knappen Produktionsfaktoren der Veränderungsdruck entsteht. Wenn also Transport der Flaschenhals ist, der die Wirtschaft am Wachsen hindert, dann muss eben die Eisenbahn gebaut werden. Die heutigen knappen Produktionsfaktoren sind, dass wir nicht ausreichend gut zusammenarbeiten. Das ist wichtig, weil Wissen so komplex geworden ist, dass es der einzelne nicht mehr überblickt. Je mehr Arbeit von immaterieller Gedankenarbeit abhängt, umso mehr sind wir auf das Teilwissen anderer angewiesen. Das erzwingt Zusammenarbeit in derselben Augenhöhe, Transparenz, Versöhnungsbereitschaft, Authentizität statt Statusorientierung, Kooperationsfähigkeit, langfristige Orientierung. Das hat mit seelischer Gesundheit zu tun und führt zu dem anderen großen Thema Gesundheit: Weil Bildung so teuer geworden ist und sich länger amortisieren muss, wird Gesundheit zum knappen gut.

Michael Kleina:

Also geht es um ein respektvolles Miteinander. Kommunikation auf Augenhöhe ohne casino spiele.

Erik Händeler:

Wenn Meinungsverschiedenheiten zu Machtkämpfen ausarten, die bis zur Rente sich nicht mehr versöhnen lassen; wenn jemand etwas Gutes sagt, aber bei den fünf Prozent festgenagelt wird, wo er Unrecht hat; wenn sich der Lautere durchsetzt statt der mit den besseren Argumenten; wenn Mobbing, innere Kündigung und unfaire Streitkultur Milliarden kosten; wenn es nicht transparent ist, wie es zur Entscheidung kam, sondern letztlich der Kontakt zum Chef vom Sonntag Nachmittag beim Golfen den Ausschlag gab: Das alles sind immaterielle Produktivitätsverluste, die wir mit besseren Maschinen nicht mehr wie früher ausgleichen können.

Michael Kleina:

Im Rahmen der Informationsgesellschaft, die sehr stark gelenkt wird durch das Internet als auch vom Social Media Plattformen müssen also Richtlinien sprich Guidelines der Zusammenarbeit und Kommunikation definiert werden?

Erik Händeler:

Als wir in den 1920er Jahren immer mehr Autos auf den Straßen hatten, mussten wir Verkehrsregeln aufstellen; wenn eine der Zukünfte von Arbeit der selbständige Wissensarbeiter ist, der mal dort, mal wichtig mal weniger wichtig seine Nischenkompetenzen einbringt, dann muss klar sein, wie man sich in den Konflikten des Berufslebens verhält. Wir streiten uns ja in der Regel nicht, weil wir böse Menschen sind, sondern weil es berechtigte Interessensgegensätze gibt: Der Finanzchef will kein Geld rausrücken, um mit seiner Jahresbilanz gut auszusehen, während der Technikchef möglichst viel Geld für seine technischen Spielereien haben will. Wie das geregelt werden kann, versuche ich auf meiner Webseite www.neuearbeitskultur.de aufzuzeichen, ich arbeite aber erst daran.

Michael Kleina:

Also ist das Ziel den Menschen bzw. sich selbst mehr in den Fokus zu stellen. Als leidenschaftlicher Hobbykoch geht es also darum:
„Nicht das Geld für teures Motorenöl, sondern in gutes Olivenöl zu investieren?
Mehr in sich und seine Gesundheit investieren. Somit entlaste ich als Mensch selber nachhaltig die Gesellschaft. Denn wenn mein Inneres strahlt, strahlt auch mein Äußeres!

Erik Händeler:

Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – damit ist hier nicht der einzelne, individuelle Mensch gemeint. Denn Wohlstand in der Wissensgesellschaft ist etwas Systemisches: Drei mittelmäßige Leute, die gut zusammenarbeiten, sind bedeutend besser als der super gute Individualist, bei dem es aber nicht gelingt, die Ergebnisse der Arbeitsteilung zusammenzufügen. Aber es geht jetzt bei den neuen Anforderungen der Wirtschaft in der Wissensgesellschaft, um das, was den Menschen ausmacht: Seine Kreativität, Kooperationsfähigkeit, seine Gefühlswelt.

Michael Kleina:

Jetzt sind viele von uns ja im Unternehmen am arbeiten und nicht am Unternehmen.
Wie sieht Ihre Empfehlung aus, damit viele den Weg aus dem Hamsterrad raus finden uns sich dieser neuen Informationsgesellschaften mit all Ihren neuen Konstellationen öffnen können?

Erik Händeler:

Wir stellen dieselben Produkte her wie früher, aber wie wir arbeiten, das ändert sich. Früher waren die Kompetenzen oben in der Hierarchie, heute ist der Facharbeiter/Sachbearbeiter ganz unten der einzige, der sich in dieser Nische auskennt. Deswegen muss er dem Chef fachlich widersprechen können und sich mit gleichrangigen Kollegen austauschen können, ohne deswegen mit Liebesentzug bestraft zu werden. Woran wir also arbeiten müssen, ist die Unternehmenskultur. Denn alles andere ist austauschbar: Kapital, Maschinen, Wissen – das kann sich jedes Unternehmen weltweit zu denselben Bedingungen besorgen. Aber wie diese Faktoren zusammenspielen, das macht den Unterschied.

Michael Kleina:

Also, an alle:
– mehr Sport
– mehr Zeit für gesundes und ausgewogenes Essen
– Auszeiten nehmen
– Flexiblere Arbeitszeiten
– Zeit für die Familie
– …

Habe ich noch was vergessen, bestimmt.

Erik Händeler:

Vor allem nicht um sich selbst kreisen, sondern über sich selbst hinaus Interessen am gleichberechtigten Wohlergehen der anderen zu haben. Es gibt kein eigenes Glück. Zum Glück gehören immer auch die anderen und das Umfeld. Laut WHO zeichnen sich gesunde Menschen aus durch ein stabiles Selbstwertgefühl (sie müssen nicht andere drücken, um sich selbst für wertvoll zu erachten), sie sind eingebettet in soziale Kontakte, sehen einen Sinn in ihrem Leben und noch eine gute Zukunft vor sich. Je immaterieller Wirtschaft wird, je mehr auch Gesundheit nicht mehr so sehr von den ausbleibenden Fortschritten in Medizin abhängt, umso mehr geht es um Lebensstil und um die immateriellen Faktoren von Gesundheit.

Michael Kleina

Mit r.o.m. Remarkable Online Marketing vereint Michael Kleina seine Kompetenzen als Organisationsprogrammierer und Unternehmer mit Social Media Marketing und Website Content Management Marketing zu erfolgreichen Marketing Kampagnen insbesondere für regional agierende Unternehmen und Filialisten.

Alle Wege führen über r.o.m.